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Die Menschen in den Straßenszenen von Comenius Roethlisberger wirken ein wenig deplatziert, ein wenig hyperreal auch, als seien sie dem Ort nicht so ganz verbunden, an dem sie sich befinden. Sie wollen sich nicht einfügen in die leicht diffusen Architekturprospekte und Landschaftshintergründe, vor denen sie von der Kamera angeblitzt in Erscheinung treten.
Roethlisberger bringt an einem Ort, den er mehrfach vom selben Standort aus aufnimmt, Menschen zusammen, die nie zur selben Zeit dort gewesen sind. Er komprimiert die Geschehnisse, bis sie zu einem Bild werden, in dem schließlich Zeit keine Rolle mehr spielt. Durch dieses Verfahren kann er den Zufall überlisten, die Passanten nach eigenen Wünschen choreografieren und Begegnungen arrangieren. Diese Fotografien haben eine seltsame Energie, die einem nahe, fast zu nahe tritt, wie auch die Menschen in den Bildern sich oft ein wenig zu nahe kommen. Und doch scheinen sie sich nicht zu sehen. Ihre Blicke gehen durcheinander hindurch oder aneinander vorbei, denn sie wissen nichts voreinander – mehr noch: sie ahnen nicht einmal etwas von der Existenz des anderen.
Diese Dichte und dieser Blick in die Leere, die in der Malereigeschichte Max Beckmann zu höchster Reife entwickelte, sind nun eingekehrt in die Fotografien Roetlisbergers und haben auch in dieser, ihrer aktuellsten Erscheinungsform nichts eingebüßt von ihrer poetischen Melancholie.